Fünf Ebenen für Dein neues Verhalten

Du hast Dir etwas vorgenommen, aber irgendwie will das gewünschte Verhalten nicht zur Gewohnheit werden, immer wieder steckst Du fest, schiebst Dein Vorhaben auf? Wenn das passiert, kannst Du einen Blick auf die fünf Ebenen werfen, auf denen sich Verhaltensänderungen abspielen:

Das sind neben dem

  • Verhalten, das Du anstrebst, auch die Ebenen
  • Kompetenz,
  • Werte,
  • Identität und
  • Umgebung.

Vielleicht bemerkst Du, dass auf einer oder mehreren Ebenen etwas noch nicht zu Deinem Vorhaben passt. Wenn Du die Blockade erkennst, kannst Du sie lösen und Dein Vorhaben bekommt den Drive, den es verdient.

4. Verhalten: Was will ich tun?

In der Reihenfolge hier die 4. Ebene, aber tatsächlich die, auf der eine Verhaltensänderung im Außen am offensichtlichsten passiert: Ich habe mir vorgenommen, täglich eine halbe Stunde zu Lesen und Notizen dazu zu machen. Das ist ein konkretes Verhalten, das ich mir angewöhnen möchte. Du kannst hier alles mögliche andere einsetzen, das Du für Dich anstrebst: einmal die Woche eine halbe Stunde Yoga machen, oder, wenn Du eine Schülerin bist, drei Mal pro Stunde aufzeigen, oder, oder, oder ….

Manchmal merkst Du aber, dass Du das nicht so ganz einfach auf die Kette kriegst. Wenn es hakt, lohnt sich ein genauer Blick auf die anderen Ebenen.

3. Kompetenz: Wie kann ich das umsetzen?

Wenn wir uns bei den internen Faktoren nach oben arbeiten, schauen wir uns erstmal unsere Kompetenzen an. Es kann sein, dass Du bei der Umsetzung ins Stocken kommst, weil bestimmte Fähigkeiten noch ausgebaut werden müssen: Für mein Leseziel kann es zum Beispiel nützlich sein, meine Lesefähigkeiten zu trainieren, damit ich in der Viertelstunde auch was schaffe und nicht das Gefühl habe, mich in Minischritten vorwärtszuquälen. Also trainiere ich meine Lesegeschwindigkeit (indem ich entsprechende Techniken erlerne und einübe).

Wenn Du Dich im Unterricht mehr melden willst, kann es helfen, wenn Du parallel auch noch die Stunden besser vorbereitest indem Du Dich im Selbststudium mit den bisherigen und zu erwartenden Inhalten auseinandersetzt und damit die Kompetenz erwirbst, dem Unterricht zu folgen, Beiträge zu leisten und passende Fragen zu stellen.

2. Werte: Wofür will ich das tun?

Auf der nächsthöheren Ebene kommen die Werte: Dein gewünschtes Verhalten muss auch zu dem passen, was Dir wichtig ist und was Du über die Welt glaubst. Wenn Du Yoga für esoterischen Unfug hältst, warum solltest Du dann eine halbe Stunde Zeit die Woche dafür opfern wollen? Dann ist das nicht das richtige Verhalten für Dich und Du gehst um Deinen Wert »körperliche und geistige Fitness« zu verwirklichen lieber ins Fitnessstudio oder lernst etwas über Psychologie.

Manchmal ist es aber auch so, dass Werte und Glaubenssätze sehr tief im Verborgenen funktionieren. Die hast Du meist unbewusst von Deinem Umfeld übernommen. Es kann also sein, dass Du selbst schon ziemlich sicher bist, dass Yoga Dir gut tut, aber tief im Inneren Angst hast, dass Deine Familie Dich als Eso-Spinnerin abtut, wenn Du regelmäßig Yoga praktizierst. Um solche hemmenden Glaubenssätze ins Bewusstsein zu holen, ist manchmal ein unparteiischer Beobachter wie ein Coach ganz hilfreich, weil die schon so tief sitzen, dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen. Wenn Sie Dir bewusst geworden sind, kannst Du aber als Gegengift einen stärkenden Satz entwickeln, der den hinderlichen ersetzt. In dem Yoga-Beispiel könnte das etwa sein: »Ich weiß, dass ich mit Yoga meinen Körper und meinen Geist in Balance bringen kann« (das kann erstmal Deine eigene, bisherige Erfahrung sein, und wenn Du noch eine stärkere Abgrenzung brauchst gegen den Eso-Vorwurf, dann kannst Du auch noch anfügen: »und die positive Wirkung von Yoga ist wissenschaftlich nachgewiesen« 😉 (Die Studien verlinke ich hier noch.) Den neuen Glaubenssatz schreibst Du dann öfter mal auf, klebst ihn als Post-it dorthin, wo Du ihn oft siehst und sprichst ihn regelmäßig bewusst laut aus, bis Du ihn verinnerlicht hast und er seine Wirkung entfaltet.

1. Identität: Wer bin ich dann?

In diesem Modell das oberste Level ist die Identität: Wenn ich mich selbst als schlechten Schüler sehe, traue ich mich wahrscheinlich nicht, mich im Unterricht zu zeigen, denn Teilnahme am Unterricht passt nicht zu einem miesen Schüler. Schaffe ich es aber, mich als guten Schüler zu sehen, in dem Sinne dass ich auf dem Lernweg bin, das heißt natürlich nicht alles perfekt mache, aber stetig dazulerne und meine Fähigkeiten weiterentwickele, dann kann ich mich gut, auch mit den Fehlern, die ich noch mache, im Unterricht beteiligen und »Drei Mal Melden pro Stunde« bringt mich meiner Wunsch-Identität näher.

5. Umgebung: Wo und wann will ich das tun?

Jetzt zurück zum Außen, das daher auch an der Basis als Nummer 5 angesiedelt ist: Wenn Innen alles stimmt, brauchst Du noch die passenden räumlichen und zeitlichen Voraussetzungen für die Umsetzung Deines Vorhabens. Dazu planst Du Dir feste Ereignisse ein. In meinem Fall –  eine halbe Stunde lesen – muss ich dafür einen Ort haben, an dem es ruhig ist und eine Zeit, zu der mich nichts anderes stört und mein Kopf fit ist. Abends nach einem turbulenten Tag wenn der Kopf vollgepackt und müde ist – keine gute Idee. Nachmittags wenn die Kinder Hilfe bei den Hausaufgaben wollen oder fragen, ob noch Eis da ist – auch keine gute Idee. Morgens um 8.30 Uhr wenn mein Hirn schon Betriebstemperatur erreicht hat und ich am Schreibtisch alleine bin (und das Telefon kurz auf stumm stelle) – das ist realistisch. Wie Du am Hinweis auf die Kinder schon gemerkt hast: Auf dieser Ebene spielen auch die Menschen in Deinem Umfeld eine Rolle. Schau genau hin, wer Dich an Deinem neuen Verhalten hindern könnte und wer es fördern würde. Für das Schulziel zum Beispiel kannst Du Deine Freundin als Unterstützerin heranziehen: Sie kann Dich regelmäßig fragen, wie Du voran kommst oder Dir Feedback geben. Vielleicht verfolgt ihr sogar das gleich Ziel. Dann könnt ihr auch eine Challenge draus machen: Wer sich in der Woche öfter gemeldet hat, gibt der anderen einen aus.

Befrag Dich selbst

Diese fünf Ebenen kannst Du nun für Dein Vorhaben durchspielen um Dich selbst dabei zu unterstützen, es durchzuziehen. Nutze die Macht der Fragen: Unser Gehirn und Unterbewusstsein sind keine Fans von offenen Handlungssträngen und geben alles, um für Offenes einen sinnvollen Abschluss zu finden. Wenn Du Dich also fragst: Wie kann ich täglich eine halbe Stunde lesen, dann wirst Du Dich auf allen Ebenen damit auseinandersetzen, eine Antwort, sprich eine Lösung zu finden.

Du kannst die klassischen W-Fragen auf die Ebenen anwenden, die ich schon in den Abschnitten zu den Ebenen genannt habe.

Für das Verhalten kannst Du dich also fragen: »Was will ich genau machen?«

Für die Ebene der Umgebung: Wann und Wo will ich das machen?

Für die Kompetenz: »Wie bekomme ich das hin? Was brauche ich noch?«

Für die Werte: »Warum will ich das machen?«

Und für die Identität: »Wer bin ich dann, wenn ich das mache?«

Es kann auch eine gute Idee sein, diese Fragen mal mit einer Freundin durchzugehen. Denn manchmal hat man so blinde Flecke, also Dinge, die man nicht so gerne klar sehen möchte. Da können andere einem meist ganz gut den Spiegel vorhalten. Achte aber darauf, dass es jemand ist, der Dir gutes Feedback gibt und von dem Du Dir auch etwas sagen lässt 😉

Zusammenfassung

Wenn Du alle fünf Ebenen der Veränderung gut aufeinander ausgerichtet hast, also Dein gewünschtes Verhalten im Einklang steht mit Dem was Du kannst, was Du glaubst, wer Du sein willst und Du es in Deine Umgebung eingepasst hast, dann steht dem Flow nichts mehr im Wege und das neue Verhalten kann zur Gewohnheit werden und damit zum Teil Deines Lebens.
(Die fünf Ebenen sind angelehnt an das Modell der »Logischen Ebenen« von Robert Dilts aus dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren), ein nützliches Tool zum Klären von Zielen und Unterstützen von Verhaltensänderungen.)

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